VERLAGERUNG VERGASANLAGE VON DEUTSCHLAND NACH INDIA

Ende Januar erhielt unsere Geschäftsleitung von einem Speditionsunternehmen einen Anruf mit einem Gratulationsglückwunsch zu einem Großauftrag. Es sollte eine Großanlage in Schwarze Pumpe demontiert und nach Indien verbracht werden. Dazu wollte eben diese Spedition ihre Transportleistungen der Convoi anbieten. Da keine Niederlassung von der Convoi-Group eine Offerte zu diesem Thema angeboten hat, setzte unsere Vertriebsabteilung sämtliche Hebel in Bewegung und recherchierte in alle Richtungen. So wurde kurzfristig und innerhalb von 2 Tagen ein Termin bei der Firma Envirotherm in Schwarze Pumpe vereinbart. Bei unserem Vorstellungsgespräch erhielten wir die Information, dass eine komplette Vergasungsanlage demontiert und nach Indien verbracht werden soll.

Innerhalb von einer Nacht und einem Tag wurde ein Demontagekonzept mit einer anschließenden Offerte erarbeitet, die am Folgetag der Besichtigung dem Kunden vorgelegt werden sollte. Die Konzeption der Ausarbeitung sowie das erste Erscheinungsbild von Convoi sollte den Kunden so beeindruckt haben, dass wir eine Woche danach zum Verhandlungsgespräch, in die Zentrale von Envirotherm nach Essen, eingeladen wurden.

Nach ca. 7 Tagen erhielten wir den Zuschlag jedoch mit der Forderung, dass nach einer 2 wöchigen Bestandsaufnahme, sowie entsprechende Baustelleneinrichtungsvorbereitungen, die Arbeiten sofort beginnen. Natürlich rotierten danach sofort in der Convoi-Group sämtliche Räder, damit ein professioneller Start hingelegt werden konnte. Dazu gehörten die schnellstmögliche Bereitstellung von Werkzeugcontainern mit dem entsprechenden Equipment, der Erstellung von einem Health and Safety Plan incl. Risk Assessment, Baustelleneinrichtungsplan, Flucht und Alarmpläne, die Ausarbeitung von Kran- und Belastungsstudien sowie die Erarbeitung eines Projektplanes, in dem alle wichtigen und großen Anlagenkomponenten mit deren Demontagezeiten erfasst bzw. graphisch dargestellt wurden.

Durch unsere Geschäftsleitung wurde sofort eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, wobei ein Mitarbeiterkern mit den speziellen Kenntnissen, aus den Niederlassungen von Nürnberg und Maastricht aufgestellt wurde. Weiterhin mussten kurzfristig mehrere behördliche Genehmigungsverfahren durchlaufen werden, was sehr nervenaufreibend war, jedoch vom Convoiteam souverän gelöst wurde.

Die Basis der Vergasungsanlage und somit das Herzstück, ist ein Reaktor mit einer Länge von 14m und einem Durchmesser von 4,6m, sowie einem Gesamtgewicht von 165to.

In dieser Anlage wurden fossile Brennstoffe wie Braun- und Steinkohle sowie Abfälle wie Holzpallets, Kunststoff, Teerschlamm usw., vergast. Bei diesem Prozess wurden dann technische Gase und daraus dann Methanol für die chemisch verarbeitende Industrie gewonnen. Selbstverständlich sind beim Betreiben dieser Anlagen sehr hohe Umweltauflagen zu erfüllen und diese werden von den dafür verantwortlichen Ämtern auch ständig kontrolliert. Entsprechend dazu ist in der Anlage ein Analysencontainer konzipiert, in dem Probemessungen auf der gastechnischen Seite auf höchstem technischen Niveau aufgenommen und ausgewertet werden.

Die Grundfläche der Stahlbaukonstruktion wurde zwar nur von 40m auf 40m bemessen, jedoch betrug die gesamte Anlagenhöhe über 60m. Diese Höhe fühlt man selbst erst als richtige Herausforderung, wenn man auf dem höchsten Punkt des Gebäudes steht, oder schaukelnd im Personenkorb am Kran über der Anlage hängt und nach unten schaut.

Die Kranplanung wurde von unseren holländischen Kollegen mit unserem Montageleiter durchgeführt. Mit dieser Studie wurden die Aussagen getroffen, dass ständig 3 Krane (200to, 130to und 80to incl. Gittermastklappspitzen) in den 3,5 Monaten Demontagezeit ständig vor Ort sein müssen. Nach Sichtung der Planungsunterlagen wurde durch unsere Geschäftsleitung festgelegt, hauseigene Synergien zu nutzen und alle 3 Krane für den Zeitraum von ca. 14 Wochen, aus unserer Niederlassung Hagen einzusetzen.

Weiterhin wurde ein 600to Kran, für die Ausbringung eines ca. 50to schweren Bunkersystems im oberen Teil der Anlage aus einer Höhe von 57m, sowie die Fackelgaswäscher und diverse Bunker mit Gewichten zwischen 25 - 40to von der Ebene 32m, eingesetzt.

Ein 1200to Kran, der für die Ausbringung des Reaktors mit 165to geplant war, erregte schon zum Zeitpunkt der Ankunft und beim Aufbau bei den umliegenden Firmen sehr große Aufmerksamkeit, denn ständig waren Zaungäste zu beobachten. Die Sonderkranleistungen wurden von einem ortsansässigen Kranunternehmen ausgeführt und auch diese Arbeiten wurden mit Bravour erledigt.

Hohe Anforderungen wurden an die Convoiteure bei den Arbeiten in den oberen Etagen, sowie an das Team der Kranfahrer gestellt. Ständige Windböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 50km/h und der ständige Wetterwechsel mit Schnee- und Eisregen, incl. Temperaturen bis zu minus 15 Grad Celsius, ließen die Arbeiten als „sibirisch“ anmuten. Somit hatten wir auch mit tagelangen, kompletten Kranausfällen zu kämpfen. Durch diese Wetterkapriolen, sind wir mit der Demontage der Stahlbauebenen, um ca. 2 Wochen entgegen der Planung, in Verzug geraten. Irgendwann mussten wir diese negative Information unserem Kunden mitteilen und um Verständnis bitten, da wir dieses Wetterumbilden ja nicht zu verantworten hatten. Da dieser aber auch mit seinem Kunden einen terminierten Liefervertrag vereinbart hatte, wurde für unsere Situation wenig Verständnis gezeigt. Man forderte von uns, ein „Aufholkonzept“, ohne Vernachlässigung der Arbeitssicherheit, zu erstellen. Nach langen und intensiven Diskussionen innerhalb der Montageleitung wurde die Entscheidung getroffen, mindestens 10 komplette Wochenenden incl. der Osterfeiertage, mit einer wechselnden Mitarbeiterbesatzung, durchzuarbeiten. Dass zerrte ganz schön an den Kräften unserer Convoiteure und der eingesetzten Subunternehmer. Aber als der Baustellenstatus dann wieder im geplanten Zeitablauf war, ging ein richtig positiver Ruck durch die Mannschaft und man war mit Recht sehr stolz, auf das Ergebnis dieser kraftraubenden Leistung.

Im Durchschnitt waren an diesem Projekt 35 Mitarbeiter tätig, wobei in den Stoßzeiten mit 50 Mann die Aufgaben gelöst wurden.

Sehr große Aufmerksamkeit war auch bei den brandschutztechnischen Verfahrensweisen geboten. Durch den jahrelangen Betrieb mit Braun- und Steinkohle befanden sich auf den Stahlbauträgern, in Rohrbögen, engen Nischen usw., extrem große Kohlestaubnester. Wenn mit diesen Staubansammlungen, etwa Funken von Brenn- oder Schneidarbeiten in Verbindung kommen, dann kann erst nach mehreren Stunden ein Feuer ausbrechen, weil es nicht auf der Oberfläche sondern nur im inneren, wie bei einem allseits bekannten Moorbrand, sich ausbreitet. In regelmäßigen Abständen wurden diese brandschutz- und sicherheitstechnischen Fragen in unseren Belehrungen aufgeführt. Trotzdem konnte man nur hoffen, dass sämtliche Belehrungen, die vom Auftraggeber und auch von unserer Montageleitung ständig ausgeführt wurden, bei allen auf der Baustelle beschäftigten Mitarbeitern ernst genommen wurden und somit bei jedem angekommen sind. Es war allen Mitarbeitern bekannt, dass auch kleinste Verstöße auf der Baustelle, absolut nicht geduldet wurden.

In unregelmäßigen Abständen, wurden von einer Fachfirma für Arbeitssicherheit Kontrollen, in Bezug auf Fragen des Sicherheits- und Gesundheitsschutzes, durchgeführt. Es gab jedoch nur wenige und kleinere Beanstandungen, die aber dann auch sofort abgestellt wurden.

Während der gesamten Montagezeit hat ein Mitarbeiter von Envirotherm die Demontagearbeiten mit der Videokamera begleitet. Die Highlights wird er dann in einem Film zusammenschneiden und der Convoi zur Verfügung stellen.

Technical details


Projekt
Demontage komplette Installation Abmessungen 40x40x60 Meter (LxBxH)
Ort
Schwarze Pumpe Deutschland
Material
Mobilkräne Haus 80-1250 Tonnen
Personal
Bis zu 50 Standortverlagerungen Spezialisten - 22.000 Stunden
Einzelheiten
Extrem schlechtes Winterwetter